Zeig ein bisschen Leder-Haut! Damit steckst du jeden Hipster-Beutel in die Tasche


Setzen Beardo,

heute, mein kleiner Jutebeutel, wirst du etwas über Taschen und Rucksäcke für echte Männer lernen. Deinen abgewetzten Stoffsack mit Ankeraufdruck und Streifenmuster will ich hier nicht mehr sehen. Stattdessen wird dir Dr. Awesome zeigen, wie du dich als massiver Bartträger standesgemäß ausrüsten kannst, ohne dabei in die Hipster-Falle zu tappen. Denn mit guten Taschen ist das wie mit guten Stiefeln. Wer bereit ist, auf alte Werte zurückzugreifen und ein bisschen zu investieren, bekommt etwas, das ihn durchs Leben begleitet, anstatt nach einer Saison in der Tonne zu landen.

 

Eine Formfrage

Es gibt zwei Möglichkeiten, als Mann eine Tasche zu tragen, ohne sich zum Affen zu machen. Den klassischen Messenger Bag oder einen Rucksack. Von allen anderen Kreationen wie Slingbags, Turnbeuteln,  Aktenkoffern oder Herrenhandtäschchen mit Designer-Initialen lässt du besser die Finger. Schließlich willst du ja als echter Lederstrumpf durchgehen und nicht als Nappasocke!

 

Die Wahl des Materials

Da, mein lieber Beardo, scheiden sich die Geister. Der Doc denkt da zum Beispiel an Planentaschen mit Wochentagsaufdruck. Klar kann und will dir der Doc keine Vorschriften machen oder deinen geliebten Daily-Rocker madig reden. Aber sei doch mal ehrlich: Wenn mittlerweile selbst Dr. Awesomes Omi mit so einem Ding zum Bingoabend trippelt, ist es höchste Eisenbahn, sich nach was richtigem umzusehen.
Wenden wir uns also einem Material zu, das deinen Lifestyle als massiver Bartträger perfekt unterstreicht und im Lauf der Jahre immer schöner wird: Leder!

Aber pass auf, Beardo, Leder ist nicht gleich Leder. Dr. Awesome hat sich deshalb mit seinem Kumpel Marlon Navarro getroffen. Marlon hat als Vollblut-Cubaner nicht nur einen wunderbar dichten, rabenschwarzen Vollbart, sondern ist auch einer der besten Ledermacher Deutschlands. Und ganz wichtig: Marlon hat mit Chichi nichts am Hut. Er ist Spezialist für den Rough-Stuff! Also genau der Richtige für echte Männertaschen.

Er sagt:  “Eine handgemachter Lederrucksack oder eine Umhängetasche sind Begleiter für das ganze Leben. Das ist nicht nur dummes Gerede. Wenn man sich für das richtige Leder entscheidet und ein paar Dinge beachtet, kann man die Tasche wirklich das ganze Leben lang nutzen.” Er hat dem Doc verraten, worauf es bei der Entscheidung ankommt und wie du die perfekte Tasche für dich findest.

Die erste Grundregel lautet: Das Leder muss vegetabil sein. Das heißt, es muss auf natürlichem Weg, wie schon im Mittelalter, gegerbt worden sein. Das ist wesentlich aufwendiger als die Chemiegerbung mit Chrome, dauert länger und ist auch teurer. Dafür hast du dann aber auch eine Lederhaut, die sich mit der Zeit farblich verändert und eine Patina bekommt, wie es Chemieleder nie schaffen werden. Die allermeisten Taschen von der Stange sind entweder gar nicht oder nur aus minderwertigem vegetabilen Leder hergestellt.


Eine Tasche fürs Leben

Womit der Doc auch schon beim Knackpunkt angekommen ist: Wenn du eine Ledertasche fürs Leben tragen willst, ist es das beste, dir einen Sattler zu suchen und dir deine ganz eigene Tasche nähen zu lassen. Das kostet, je nach Ledermacher zwischen 400 und 500 Euro. Klar ist das nicht billig, Beardo! Aber es ist ein Projekt, das sich in jeder Hinsicht lohnt. Denn sind wir doch mal ehrlich, mein kleiner Knauser-Bart. Rechne mal zusammen, was du schon für Geld für die richtige Tasche oder den perfekten Rucksack ausgegeben hast. Der Doc hat bei sich selbst mal nachgerechnet und danach erstmal eine Aspririn nehmen müssen. Also lass dich davon nicht bremsen und such dir einen guten Ledermacher, der mit dir deine ganze eigene Traumtasche entwirft. Bis die nämlich fertig ist, dauert es viele Wochen. Und in der Zeit kannst du dir das Geld ja schonmal zusammensparen. Glaub mir, Beardo, das ist die beste Taschenentscheidung deines Lebens und ein standesgemäßer täglicher Begleiter für deinen Bart.
Abgesehen davon geben Ledermacher, wie Marlon auch, zumeist eine lebenslange Garantie auf ihre Produkte. Ist also wirklich mal was kaputt, hast du keinen Ärger und Stress.

 

Der Entstehungsprozess

Eigentlich ist es ganz einfach, deinen eigenen Super-Rucksack oder Mega-Messenger zu entwerfen. Es gibt nur ein paar Punkte, die du der Reihen nach beachten solltest.

  1. Rucksack oder Messenger?
    Beides hat vor und Nachteile. Rucksäcke sind zur Zeit angesagt, ein Umstand, der dir als selbstbewusster Bartmann natürlich egal ist, denn deine Tasche soll ja fürs Leben sein und wird so manchen Modetrend völlig unbeindruckt an sich vorrüberziehen sehen. Ein Rucksack lässt sich einfacher und vor allem bequemer tragen. Ein Messenger-Bag dagegen, wird nach einem Markteinkauf ganz schnell unbequem und belastet dich einseitig. Dafür ist eine umhängetasche viel einfacher zugänglich. Willst du ran, musst du sie einfach nach vorne drehen, ohne sie abzunehmen. Das ist vor allem in den Öffentlichen ein Riesenvorteil. Der Doc selbst hat sich für eine Rucksack entschieden und das nie bereut.

  2. Was willst du mitnehmen?
    Mache dir eine Liste von allem, das du täglich mitnehmen willst. Denke zum Beispiel auch an eine Trinkflasche, an deine Kamera oder Notizbuch und nicht nur an Aktenordner oder Stullenbox. Eine möglichst genau Liste ist bei der Taschenplanung ist das A und O.

  3. Welche Form?
    Das, Beardo, kannst nur du entscheiden. Ob Kastenform oder abgerundet, wie ein klassischer Oldschool-Rucksack, das kannst nur du entscheiden. Lass dich einfach bei anderen inspirieren und geh mal durch ein paar Taschenabteilungen, um ein Gefühl für deine ganz eigene perfekte Form zu bekommen. Dann mach davon am besten ein Foto und zeig es deinem Sattler. Er wird dann mit dir zusammen die perfekte Tasche aufs Papier bringen.

  4. Look and Feel
    Es gibt hartes Leder, weiches Leder, faltiges Leder, glattes Leder, helles Leder, dunkles Leder, braunes Leder, schwarzes Leder. Du siehst, es gibt einiges an Auswahl. Dein Sattler wird dir Lederproben zeigen, anhand derer du dich ganz schnell entscheiden wirst. Wichtig ist: Nimm kein dünnes Leder, oder gar empfindliches Ziegenleder. Du brauchst einen ordentlichen Rinderhals. Mindestens 2,5 Millimeter dick. Mach keine Kompromisse, auch, wenn die Tasche sonst billiger wäre. Du wirst es später sonst bereuen.

  5. Reißverschluss oder die Oldschool-Lösung?
    Klar, Reißverschlüsse sind ein tolle Erfindung. Aber sie gehen auch irgendwann kaputt. Der Doc empfiehlt dir deshalb, dich für traditionelle Sattler-Verschlüsse zu entscheiden. Die gibt es aus Edelstahl oder Messung. Das sind Knöpfe, in die das Leder eingeklickt wird. Erstens sieht das viel besser aus. Zweitens hast du damit auch in 30 Jahren keinen Ärger.

  6. Entscheide dich für ein passendes Ledergarn. Dein Sattler hat das in allen möglichen Farben. Wenn du den klassischen Style liebst, nimm einfach ein beiges Garn. Die Kombination von rotem Garn und braunem Leder kommt auch immer gut. Dunkelbraun und hellblau ist ebenfalls eine wunderbare Kombi. Mit dem richtigen Garn gibst du deiner Tasche in jedem Fall den letzten Schliff.

Und jetzt, mein kleiner Lederstrumpf, gehst du an die Planung! Und wenn die Tasche fertig ist, zeigst du sie Dr. Awesome. Husch, husch!


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